Might & Magic: Showdown 1

Might & Magic: Showdown 1


Gastautor: Jan

»Might & Magic: Showdown«. Ein Name, der viel verspricht. Das Universum von Might & Magic hat schon über Generationen hinweg Jugendliche und Erwachsene in seinen magischen Bann gezogen. Ein heroisches Aufeinandertreffen in Schlachten auf Leben und Tod. Epische Geschichten erleben und schreiben! Doch was verbirgt sich hinter Ubisofts neustem Streich aus der Might & Magic-Reihe nun wirklich?

Der Trailer erzählt uns die Geschichte eines Kindes, das mit Begeisterung dem Tabletop-Hobby nachgeht, seine wackeren Helden bemalt, um sie anschließend in die Schlacht zu schicken. Doch unser Held wird älter und mit ihm auch die Art des Spiels. Wir sehen einen Erwachsenen, der nun in der Lage ist, an seinem PC seine Miniaturen farblich zu gestalten, um anschließend in »Might & Magic: Showdown« (MMS) seine Helden und deren Gefolgsleute in Kämpfen antreten zu lassen. Doch was finden wir von diesen Eigenschaften im tatsächlichen Spiel wieder? Ist Ubisoft in der Lage unsere Kindheitsträume und –fantasien zum Leben zu erwecken bzw. zu erfüllen?

»Might & Magic: Showdown« lässt sich grob in zwei Abschnitte unterteilen, die ich auch getrennt besprechen möchte.

Himmlische Farben

Ich bin seit langer Zeit großer Fan von Tabletop-Spielen. Ich liebe Fantasy, ich liebe die Welten, Magie, Völker und die Möglichkeit, kleine Skirmish-Kämpfe oder riesige Schlachten auszutragen. Was ich allerdings noch mehr mag ist das detaillierte Bemalen der geliebten Miniaturen. Man kann Stunden mit einzelnen Figuren verbringen und sie liebevoll gestalten oder schnell und grob gleiche Farbschemata auftragen, um eine einheitliche Armee darzustellen. Aus diesem Grund bin ich auch sofort Feuer und Flamme gewesen, als ich den Trailer des Spiels gesehen habe.

Ingame gibt es einen Editor mit dem man seine Figuren, wenn gewünscht, farblich verändern kann. Allerdings gibt es auch die Möglichkeit, das Tool »Might & Magic: Showdown Paint Workshop« zu nutzen. Dies ist ein Stand-alone, in dem die gleichen Funktionen bereit stehen, wie im Spiel selbst. Hier kann man auch außerhalb von MMS seine Figuren gestalten, speichern und zentral hochladen sowie anderen Mitspielern die Skins zur Verfügung stellen. Die grafische Oberfläche ist sehr gut gestaltet, schnell erlernt und eingeprägt. Es gibt eine große Auswahl an unterschiedlichen Farben, manche davon werden aber erst im Laufe des Spielprozesses per Belohnungssystem freigeschaltet.

Zu Beginn sucht man sich eine seiner Miniaturen aus – auch hier gibt es wieder die Begrenzung, dass spätere Miniaturen erst durch Progress freigespielt werden müssen. Zuerst gibt es einen Default-Skin, damit die Figur nicht ganz ohne Farbe dasteht. Mit unterschiedlichen Pinselwerkzeuge (Größe und Form kann variieren) und Intensitäten (Schattieren und Aufhellen) hat man die Möglichkeit, sich vollkommen frei zu entfalten, WENN das denn gewollt ist. Ansonsten können bestimmte Regionen von Rüstungen auch gruppiert und gemeinsam eingefärbt werden, um den Prozess zu beschleunigen.

Wie man meiner Schwärmerei entnehmen kann, gefällt mir dieser Aspekt von MMS sehr gut. Ich kann mich stundenlang an einer Miniatur austoben, malen, Übergänge gestalten, Leuchteffekte einbauen oder meinem Dämonenkrieger ein Herz auf den Bauch malen. Das einzige Manko ist, dass ich mir die fertigen Figuren anschließend nicht in die Vitrine stellen kann.

Teuflisches Gameplay

Nachdem ich nun so viele Worte zum Thema Malerei verloren habe, möchte ich natürlich auch noch auf den eigentlichen Aspekt von MMS eingehen: das Gameplay. Wie schafft es Ubisoft die Erwartungen der Tabletop-Begeisterten, die ja im Trailer angesprochen werden, zu erfüllen? Ich nehme es vorweg: in meinen Augen leider gar nicht. Doch warum?

Das Spiel fängt den Neuankömmling gut auf und geleitet ihn in ein sehr umfangreiches Tutorial, in dem alle wichtigen Kniffe erlernt werden sollen. Man erlernt Schritt für Schritt die Fähigkeiten seines Helden und seine Steuerung. Anschließend werden weitere Einheiten freigeschaltet. Die Einheiten bekommen zusätzliche Fähigkeiten und man wird durch immer schwerere Szenarien geführt.
Das klingt in der Theorie ganz gut.
Kommen wir zur Praxis.

Es handelt sich bei MMS um Echtzeitkämpfe, bei denen man lediglich den Helden „steuern“ kann. Man wählt einen Gegner aus und ab diesem Zeitpunkt rennt unser Held los und schlägt zu, was die Cooldowns hergeben. Das Einzige, was nun zu tun bleibt, ist zwischendurch einen Skill anzuklicken bzw. anschließend wieder einen anderen Skill, der keine Abklingzeit hat. Das Ganze wiederholt sich, bis der Gegner umfällt. Leider wird dies auch noch von einer unübersichtlichen Kameraführung begleitet. Haben wir nach den ersten Tutorial-Szenarien weitere Einheiten freigeschaltet, zeigt sich ein weiterer Makel des Spiels: die Steuerung dieser Einheiten. Es gibt lediglich die Möglichkeit, Sequenzen festzulegen, in denen sie ihre Fähigkeiten verwenden, und diese zu verfeinern mit Befehlen wie „…anwenden auf das Ziel mit den wenigsten/meisten Lebenspunkten“ (Heilung) oder „…das Ziel mit den wenigsten/meisten Lebenspunkten“ (Angriff). Die Auswahl und das Handling der Einheiten fühlen sich daher sehr klobig an. Um doch noch etwas mehr Tiefe in Kämpfe und Helden zu bringen, ist es möglich, diese mit unterschiedlichen Fähigkeiten auszustatten. Diese können noch zusätzlich mit Runen verfeinert werden.

Leider kommt auf diese Weise, bei mir zumindest, kein Tabletop- oder gar Strategie-Feeling auf. Passend wäre dazu eigentlich ein rundenbasierender Ansatz, aber es wurde bereits von Entwicklerseite kundgetan, dass es so bleiben wird, wie es ist. Es ist allerdings positiv hervorzuheben, dass man vor Kämpfen die Teams seiner Gegner sehen kann, um so noch Anpassungen an seinen eigenen Truppen vornehmen zu können. So hat man zumindest einen Hauch von strategischem Gefühl.

Leider konnte mich der Malanteil von »Might & Magic: Showdown« wesentlich mehr fesseln und begeistern als das eigentliche Spiel an sich. Das Kampfsystem konnte mich nicht begeistern. Aber die Möglichkeiten der Miniaturgestaltung sind grandios. Sollte es vielleicht zukünftig noch eine Option geben, sich seine Figuren z.B. per 3D-Druck o.ä. in Farbe umzusetzen, dann hätte ich meinen Himmel gefunden. Bis dahin wird noch der eigene Pinsel geschwungen und die Vitrine gefüllt.

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