Kleine grüne Hackfresse auf Schleichtour 3

Kleine grüne Hackfresse auf Schleichtour 3

Während hier alle damit beschäftigt waren, sich durch »Alien: Isolation« oder »The Evil Within« zu gruseln, habe ich mir mal wieder ein Stealth-Spiel vorgeknöpft, das im ganzen Trubel fast untergegangen wäre: »Styx: Master of Shadows« von Cyanide Studio. Das Spiel entführt mich in eine düstere Fantasy-Welt, in der ich mich wieder einmal auf Zehenspitzen durch die Level schleichen darf und um es gleich vorweg zu schicken: Ich habe dieses Spiel völlig unterschätzt!

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Schauplatz ist die Festung Arkenash, in der Menschen und Elfen einen heiligen Baum bewachen. Von diesem Weltenbaum wird Amber bzw. Goldharz gewonnen, eine magische Droge, von der die ansässige Bevölkerung mehr oder weniger abhängig ist und mein Protagonist Styx, ein 200 Jahre alter Goblin, bildet da keine Ausnahme. Immer auf der Suche nach Amber, nimmt er dafür auch ein paar kleinere Aufträge an. Während Styx in den ersten Missionen noch hier etwas klauen soll oder da jemanden erledigen darf, ist irgendwann der Weltenbaum selbst mit seiner magischen Kraft das Ziel der Begierde. Dazu müssen aber erst einmal Pläne der Festung und ein entsprechender Schlüssel entwendet werden. Im Laufe der Zeit wird Styx aber mehr und mehr in einen Machtkampf zwischen Elfen und Menschen verstrickt und auch seine eigene Vergangenheit scheint nicht das zu sein, für das er sie gehalten hat.

Ich schlüpfe also in die grüngraue Haut von Styx, der seinen Gegnern, was Körpergröße und Kraft angeht, meist haushoch unterlegen ist. Zugegeben, mein Protagonist gewinnt auch keinen Schönheitspreis und mein Vokabular an englischen Flüchen und Schimpfworten hat sich während des Spiels mindestens verdreifacht, aber irgendwie ist mir der grüne Knirps doch ans Herz gewachsen. Durch das Amber, das ich zwischendurch immer mal wieder finde, bekomme ich verschiedene magische Kräfte, mit denen ich meine Gegner verwirren oder austricksen oder auch bestimmte Gegenstände, wie z.B. Haken zum Klettern, besser erkennen kann. Beispielsweise kann ich mich für kurze Zeit unsichtbar machen oder einen Klon erzeugen, der mir verschlossene Tore öffnet, listig Wachen ablenkt oder sich sogar für mich opfert, wenn ich einer brenzligen Situation entkommen will. Wenn ich selbst einmal einen Gegner ausschalten möchte, dann ramme ich ihm am besten gleich meinen Dolch in den Rücken und hacke noch ein paar Mal auf den am Boden liegenden Feind ein. Direkte Frontalangriffe sind nämlich nicht ratsam und von nicht-tödlichen Angriffen hält Styx überhaupt nichts.

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Auf meinem Weg durch die acht Kapitel schleiche ich mich durch verschiedenste Bereiche von Arkenash. Obwohl ich hier kein Open-World-Spiel vor mir habe, bieten verwinkelten Hallen und Gänge, Klettermöglichkeiten oder geheime Tunnel genügend Spielraum, mir eigene Routen zum Ziel zu suchen. Da auch in verborgenen Räumen auch immer mal wieder nützliche Dinge, wie Lebenselixiere oder Goldharz eingesammelt werden können, macht das Erkunden doppelt Spaß. Da hat es mich auch nicht gestört, dass einige Texturen vielleicht nicht knackig scharf waren. Ich habe allerdings dummerweise auf der zweithöchsten Schwierigkeitsstufe gespielt und da wird das Erkunden der weitläufigen Umgebung zu einer Geduldsprobe und meist auch zu einem Spießrutenlaufen, denn die aufmerksamen Gegner sind wirklich harte Knochen und stehen natürlich immer an den ungünstigsten Stellen im Weg. Ich glaube, ich bin in einem Spiel noch nie so oft gestorben…

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Wie es sich für ein ordentliches Stealth-Spiel gehört, bietet mir »Styx: Master of Shadows« viele Versteckmöglichkeiten an. So sitze ich oft Minuten in Truhen, Schränken, Vasen, Gullys oder unter Tischen und warte bis die Luft rein ist. Diese Verstecke bieten aber nur begrenzten Schutz. In den späteren Kapiteln kann es durchaus vorkommen, dass eine vorbeischlendernde Wache zufällig einen Blick in den Schrank wirft, in dem ich zusammengekauert sitze. Dann ist es meist eine Glückssache, ob ich meinen spitzohrigen Protagonisten heil aus der Situation befreien kann.

Die Steuerung ist zunächst auch etwas gewöhnungsbedürftig und beschert mir manchen selbstmörderischen Absturz aus luftiger Höhe. Außerdem gibt es keinen Stuhl, Besen oder Eimer, den ich am Anfang nicht laut scheppernd umwerfe und damit die ungewollte Aufmerksamkeit meiner Gegner auf mich ziehe. Ich spiele wieder mit Controller, vermute aber, mit Maus und Tastatur geht es auch nicht viel besser. Nach einiger Übung kann ich jetzt allerdings meinen grünen Hintern durch gewagte Manöver doch oft noch rechtzeitig genug in Sicherheit bringen.

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»Styx: Master of Shadows« enthält auch ein paar RPG-Anteile und durch das Erfüllen von Missionszielen bekomme ich wie gewohnt Erfahrungspunkte, mit denen ich zusätzliche Fähigkeiten „erlernen“ kann. So kann ich dann z.B. leiser schleichen, Gegner von oben anspringen und töten oder einfach mehr Ausrüstung tragen. Sechs verschiedene Fähigkeitsbäume bieten da für jeden Geschmack etwas. Ich hatte das Spiel schon durchgespielt, da habe ich festgestellt, dass ich Fähigkeiten auch wieder „verlernen“ und die Punkte zurückbekommen kann um sie an anderer Stelle neu einzusetzen. Sehr praktisch! Ob das während des laufenden Spiels auch möglich ist, kann ich leider nicht sagen, da habe ich nicht drauf geachtet.

»Styx: Master of Shadows« ist wirklich ein forderndes Stealth-Spiel und lässt mir genug Freiraum für eigene Entscheidungen und unterschiedliche Vorgehensweisen. Lasse ich eine Leiche zur Ablenkung liegen oder verstecke ich sie lieber in einer modrigen Truhe? Oder lasse sie gleich mit einem grünlich schimmernden Säuretrank verschwinden? Schicke ich eine Wache mit einem gekonnten Wurf eines Messers ins Jenseits oder befördere sie mit einem gekonnten Tritt in einen Abgrund? Vielleicht schleiche ich mich aber doch besser einfach nur vorbei? Vergifte ich ein Fass mit Trinkwasser und warte bis mein Gegner zappelnd umfällt oder husche ich ihm doch lieber leise hinterher und knipse ihn unauffällig in einer Ecke aus? Es gibt nahezu unendlich viele unterschiedliche Möglichkeiten ans Ziel zu kommen und wenn ich z.B. durch eine Mission schleiche ohne jemanden zu töten, winken ein Emblem und wertvolle Sonderpunkte. Für mich hat das Spiel dadurch definitiv einen hohen Wiederspielwert und ich habe bereits ein Kapitel erneut gestartet, in dem mir noch diverse Nebenziele fehlen.

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Ein paar kleine Dinge haben mich aber trotzdem etwas gestört: Warum zum Henker kann ich mich nicht um Ecken hangeln oder warum kann ich Wachen zur Ablenkung nicht mit dem Sand bewerfen, mit dem ich sonst Fackeln löschen kann? Aber das waren wirklich nur Kleinigkeiten, die meinen Spielspaß kaum beeinträchtigt haben.

»Styx: Master of Shadows« bietet mit seinen acht umfangreichen Kapiteln für ca. 20 Stunden Spielspaß. Will man alle Sonderaufgaben lösen, ist man sicher noch viel länger beschäftigt. Für Fans des Stealth-Genres ist das Spiel meiner Meinung nach wirklich eine Empfehlung und ein kleines Highlight des Jahres.

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Auf ZwO Expertin für Stealth und Sneaky Games (ab und zu darf aber auch mal ein reinrassiger Shooter oder ein Horror-Spielchen dazwischen sein).

3 Comments

  1. Ich habe neulich erst ein Video über Styx gesehen und war ziemlich begeistert: Sehr reizvoll, einen derart schwachen aber geschickten Charakter zu spielen – schöne Alternative zur gigantischen Zahl an Haudrauf-Titeln, bei denen Stealth ein Fremdword (also isses ja auch^^) ist. Vielleicht hol ich mir das noch.

    Ich selbst mag aus demselben Grund Payday 2 so sehr. Klar, da geht es hin und wieder etwas weniger ruhig zu, aber prinzipiell kann man versuchen, die Level im Stealth-Modus durchzuspielen, wobei da noch die Wichtigkeit der Teamarbeit dazu kommt: Man muss untereinander Aufgaben verteilen, präzise timen und sich auf die anderen verlassen können.

    1. Ah, Payday 2! Das habe ich auch noch auf meiner Wunschliste stehen. Wird aber noch ein Weilchen dauern, bis ich das spiele. Mein Pile of Shame ist einfach noch zu groß ;)

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