gc13: X Rebirth 0

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Als ich noch jung und ein Schüler war, hatte ich Zeit und Lust mich in ein Monster einzuspielen. »X2« hat mich damals mit einer riesigen Spielwelt, unzähligen Handelsmöglichkeiten und einer vollständigen Non-Linearität gefesselt. Nächtelang hab ich meinen Computer laufen lassen, um am nächsten Morgen die Früchte der Arbeit meines Handelsimperiums zu ernten. Die Stromrechnung dürfte damals enorm gewesen sein, aber ich war Schüler und Mama und Papa haben ja gezahlt.

XRebirth Planet
Für unendliche Weiten sorgt »X Rebirth«

Für den direkten Nachfolger hatte ich dann 2005 keine Zeit und Lust mehr. Sich erst mal in das heftige Spiel einzuarbeiten, war mir damals einfach zu viel. Schade, denn eigentlich waren die X-Spiele immer überragend und hatten in der Flaute der Weltraumspiele der 2000er Jahre eine Monopolstellung und ich habe solche Spiele immer innig geliebt. Nun soll am 15. November »X Rebirth« in den Handel kommen. Nach über 7 Jahren Entwicklungszeit soll das Spiel zwar einsteigerfreundlich entschlackt worden sein, aber dabei immer noch seinen unglaublichen Umfang behalten.

Der Niedergang der Weltraumspiele wurde bei der Präsentation mit dem Aufkommen der Egoshooter erklärt. Die schnellere und unmittelbarere Interaktion von Egoshootern war demnach interessanter, als die Möglichkeit, sein Raumschiff durch riesige leere Felder zu bewegen und in behäbigen Vehikeln um sein Leben zu kämpfen. Von dieser Argumentation mag man halten was man will, aber sie trifft einen guten Punkt: Gerade die Spiele im X-Universum waren in Sachen Interaktion und Geschwindigkeit eher abschreckend. Neben der Behäbigkeit kann man sicherlich auch die Komplexität als Abschreckung sehen, denn über die Jahre ist aus dem Weltraumshooter mit Handelselementen namens X ein riesiges Komplexitätsmonster geworden, das um immer mehr Elemente bereichert wurde. Das hat zwar zum einen ein fantastisches Gameplay ermöglicht, zum anderen waren Neulinge des Genres aber sofort eingeschüchtert.

XRebirth-Screenshot_PC_02
pew pew pew in der Weltraum-Edition

An diesem Punkt wollen die Jungs und Mädels von Egosoft aber ansetzen: Die Steuerung des eigenen Raumschiffs wurde unglaublich erleichtert und so hat man nach 5 Minuten wieder die volle Kontrolle, wie ich selbst aus eigener Hand erleben durfte. Auch lassen sich jetzt keine riesigen Frachtschiffe mehr selbst steuern, da es dem Team nach ein eher unbefriedigendes Gefühl ist. Nein, man verfügt jetzt nur noch über eine Art Kommandozentrale, die zwar upgradebar ist, aber nicht mehr zu einer wandelnden Weltraumstation mutiert. Riesige Frachtschiffe kann man immer noch besitzen, aber nur noch von KI-Astronauten steuern lassen.

Der Weltraum soll nun auch nicht mehr so leer bleiben und Lücken im Spielfluss gar nicht mehr entstehen. Hierfür sorgen die Weltraumstationen, die sich zu einer Art Stadt zusammenfinden, und Space-Highways. Erstere sind modulare Gebilde, die auch vom Spieler im Laufe des Spieles gebaut werden können, welche für Handels- und Auftragsmöglichkeiten sorgen. Die Stationen sind sehr detailliert und ermöglichen dem Spieler einzelne Elemente anzusteuern und im Notfall sogar direkt auszuschalten. Verbunden werden diese Stadt-Äquivalente mit Space-Highways, die den Flug durch das Weltall sowohl beschleunigen, als auch die Möglichkeit bieten sollen, zwischendurch einfach rauszuhüpfen. Wer also Lust hat ein Asteroidenfeld nach Mineralien, oder anderen Schätzen, zu durchsuchen, der kann dies problemlos weiterhin machen, muss aber nicht erst mal einen Kaffee kochen, weil er auf dem Weg einschläft.

XRebirth Weltraumstadt
Ob sich hier wohl auch ein Exogorth versteckt?

Als ein großes neues Feature wurde mir die freie Bewegung der Spielfigur auf einer Weltraumstation gezeigt: Einmal angedockt, kann man sich nun beispielsweise frei durch schäbige Bars bewegen, um dort Aufträge oder neue Piloten für die eigene Flotte an Land zu ziehen. Inwiefern dieses Feature ein schlichter Blender oder sinnvolle Erweiterung des Spielprinzips ist, war nach der kurzen Demo nicht ersichtlich. Sicher ist nur, dass hier kein halbgarer Ego-Shooter auf das Spielprinzip gepappt wird, denn die Interaktion beschränkt sich auf Laufen und Reden. Es bleibt aber das Grundprinzip des Spieles: Nach einer kurzen Einführung in die Hintergrundgeschichte ist es dem Spieler auch jetzt noch frei zu entscheiden, ob er diese weiterverfolgen, oder er sich zuerst um den Aufbau seines Imperiums kümmern will.

Dass intelligente Reduktion funktionieren kann, wurde uns letztes Jahr mit »XCOM – Enemy Unknown« bewiesen. Auch bei »X Rebirth« besinnt man sich auf seine Wurzeln und versucht alles wieder von vorne beginnen zu lassen. Sehr angenehm ist die Beschleunigung des Flusses und die direktere Steuerung des Schiffes. Skeptisch bin ich allerdings, ob das Endprodukt an frühere Zeiten heranreichen kann: X stand immer für ein Monster, das einen am Ende mit einer sehr durchdachten Handels- und Mikromanagement-Komponente belohnte. Lust auf mehr hatte ich nach diesem Termin dennoch und als guter Lückenfüller bis zum Release von Star Citizen wird »X Rebirth« aber definitiv taugen!

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Frederik Wagner (Redaktion) Job: Student im Master of Education für Geschichte und Englisch Auf ZwO Experte für: PC-Spiele aller Art, hauptsächlich aber Sachen aus den Bereichen RPG und Strategie, bevorzugt rundenstrategisch. Die herumstehende Xbox erweitert das Spektrum um reine Konsolentitel. Hier holt sich Freddi Gaming-News: PCGamer.com Mail: fw [at] zockworkorange [dot] com Twitter: Fredelsloh XBLA: - PSN: - Steam: Fredelsloh Erstes Game: Prince of Persia Liebste Games: Baldur’s Gate II, Planescape Torment, Arcanum, Civilization II, Europa Universalis 3 Liebste Persönlichkeit der Branche: Warren Spector Liebste Game-Figur: Minsk und Boo

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