Edna Bricht Aus und kommt nie wieder 7

Edna Bricht Aus und kommt nie wieder 7

Zu sagen, Edna Bricht Aus sei damals an mir vorbei gegangen, würde vermutlich einen Aufschrei des Entsetzens in der werten Leserschaft hervorrufen – und zum Glück stimmt das auch nicht ganz. Gehört hatte ich von Daedalics preisgekröntem Point-and-Click-Adventure natürlich, und zwar ausnahmslos Gutes; gespielt habe ich es aber erst jetzt, da mir der Nachfolger Harveys Neue Augen so viel Spaß bereitete und außerdem gerade die Sammler-Edition von Edna Bricht Aus erschien. Die beinhaltet neben dem Spiel im Pappschuber noch einen Sampler mit diversen Daedalic-Soundtracks und Entwicklerkommentare von Jan Müller-Michaelis aka. Poki.

Viele Worte muss man zum Spiel wohl nicht verlieren. Edna Bricht Aus ist ein handgezeichnetes Point-and-Click-Adventure, in dem ihr versucht, mit Edna aus der Irrenanstalt Dr. Marcels zu entkommen und am besten noch nebenbei herausfindet, warum ihr überhaupt in der Anstalt steckt. Irgendwie hat das alles mit eurem Vater und Alfred, dem Sohn des Anstaltsleiters zu tun, mit dem ihr als Kind gespielt und gemeinsam Privatunterricht hattet. In der Anstalt habt ihr aber definitiv nichts verloren, das bestätigt auch euer sprechender Plüschhase Harvey. Also nichts wie raus! Aus dem verschlossenen Zimmer zu fliehen ist für Edna, die gerne Schlösser mit abgebissenen Fußnägeln öffnet, ein leichtes. Aus dem Gebäude zu entkommen stellt sich allerdings als etwas schwieriger heraus – und dann ist da noch die große Mauer um die Anstalt herum. Schwierig, aber nichts aussichtslos, denn zum Glück ist Edna auch nicht auf sich allein gestellt. König Adrian, der Mann im Bienenkostüm oder Alumann, alle helfen Edna, wenn auch nicht ganz selbstlos (ist ja schließlich ein Adventure). Trotz der Hilfe ist der Weg in die Freiheit lang und beschwerlich.

Edna Bricht Aus besticht – ganz klar – durch den einzigartigen Humor, die vielen popkulturellen Anspielungen, die tolle Sprachausgabe (~14h Audio), die Musik und die Liebe zum Detail. Deshalb sieht man auch gerne über die technischen Mängel hinweg. Das fängt mit der Installation des Java-Monsters an, die eine kleine Ewigkeit dauert und auch sonst nicht ganz perfekt ist. Mir wurde einfach mal so eine zweite JRE installiert, auch wenn ich das gar nicht wollte. Aber auch hier macht das Spiel aus der Not eine Tugend und unterhält den Wartenden mit einem Origami (Vorlage liegt bei), das mit der Harvey Rain-Anleitung zu einem Hasen gefaltet werden will.

Später im Spiel dämpfen dann regelmäßige Abstürze das Spielvergnügen, teilweise reproduzierbar, immer wieder bei der selben Aktion. Das hätte man bei der Sammler-Edition zu einem 3 Jahre alten Game fixen können. So konnte ich mir zum Beispiel auch nicht alle Entwicklerkommentare anhören. In manchen Screens ploppte Pokis Gesicht links oben auf, auch wenn man in der Szene gar nicht die Möglichkeit hatte, dort drauf zu klicken. Schade, eigentlich alles vermeidbare Fauxpas.

Auch schade fand ich, dass die Grafik nicht an den Nachfolger angepasst wurde. Klar, ein bisschen viel verlangt, aber gewünscht hätte ich mir das dennoch. Erstmal ist die Auflösung von Edna Bricht Aus recht gering, was mich persönlich nicht so sehr stört; ich hab das trotzdem im Fullscreen auf 24 Zoll gespielt. Aber wo bei Harveys Neue Augen jeder Screen ein kleines Kunstwerk war, sieht Edna Bricht Aus doch sehr handgemacht aus. Drei Screens pro Tag hat Poki erstellt. Mit Fineliner. Dann ab auf den Scanner und in Photoshop nachbearbeiten – ein Zeichentablet hat er sich erst nach dem Spiel besorgt. Das macht zwar auch ein bisschen den Charme des Spiels aus, doch wenn man wie ich erst kurz davor den Nachfolger gespielt hat, fällt das trotzdem eher negativ auf. Und bevor hier jetzt geschimpft wird: Pokis Kommentare fangen bei jedem Screen eigentlich damit an, dass er seine eigenen Zeichenkünste kritisiert oder auf andere Fehler und Unzulänglichkeiten hinweist, also hab ich hier wohl einen Freifahrtschein dafür. (Manchmal sagt er auch einfach nur „Ficken“, um die USK von 0 wegzubekommen. Und er empfiehlt direkt im ersten Raum, nach einem Walkthrough zu suchen. Leicht ist Edna Bricht Aus nämlich zu keiner Zeit.)

Aber eigentlich sollte das hier gar kein Review werden, denn dass Edna Bricht Aus ein fantastisches und extrem witziges Point-and-Click ist, wisst ihr alle selbst. Vielmehr geht es um die Sammler-Edition und was das „Sammler“ im Namen alles beinhaltet. Für den günstigen Preis bekommt man da eine ganze Menge extra: Pappschuber, Daedalic-Soundtracks (leider ohne Titelinformationen auf der CD), Entwickler-Kommentare zu jedem einzelnen Screen mit interessanten Hintergrundinfos zur Technik, zur Entstehung oder einfach nur mit Anekdoten, und das ganze Spiel ist zusätzlich noch auf Englisch spielbar (wobei die Deutsche Synchro passender ist, die Englische wirkt etwas lieblos runtergelesen).

Eine ultimative HD-Special-Edition mit hoher Auflösung, zeitgemäßem Menü und komplett neu gezeichneten Hintergründen wäre natürlich ein absoluter Traum, für den ich auch gerne das Dreifache bezahlen würde, doch für den aktuellen Preis von gerade mal 15 Euro kann man das nicht verlangen. Also schlagt ruhig zu, wenn ihr es noch nicht habt, sonst beißt Harvey euch mit seinen Plüschzähnen ins Bein!

PS: Wer möchte, kann bei unserem aktuellen Adventskalender-Gewinnspiel mitmachen. Neben Harveys Neue Augen und anderen Daedalic-Titeln gibt es dort derzeit auch Edna Bricht Aus zu gewinnen.

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Mit-Gründer von Zockwork Orange, Casual Gamer, Assassin's-Creed-Fanboy, Hyrule-Retter. Beendet Spiele oft nicht, schreibt trotzdem drüber.

7 Comments

  1. Achja, ich finds ziemlich unverschaemt von der USK, dieses Spiel urspuruenglich ab 0 freizugeben. Grade das Ende ist mehr als fragwuerdig fuer die Entwicklung eines Menschen… Und auch die Raetsel wuerde ich keinem Vierjaehrigem zutrauen.. Aber ist ja Zeichentrick, dann ists automatisch kindgerecht, nicht wahr? :)

  2. Ja, da gab es ja von Seiten Pokis/Daedalics die Aktion, Edna aus der Kinderabteilung rauszuholen. Die Sammler Edition ist ab 12, ein riesiger Sprung, wüsste gerne, wie die den intern gerechtfertigt haben.

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