Buch-Tipp: Ready Player One

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Wir schreiben das Jahr 2044. Die Zukunft sieht nicht ganz so rosig aus, wie man sich erhoffte. Die Wirtschaft ist am Ende, fossile Brennstoffe sind aufgebraucht und das Volk ist verarmt, lebt in gestapelten Containern und verhungert. Und das mitten in den USA. Einzige Zuflucht aus dem tristen Alltag bietet OASIS, eine Mischung aus Second Life und World of Warcraft. Eine weltumspannende virtuelle Realität, in die man mittels eines Visors, Handschuhen und, wenn man das Geld hat, mit einem haptischen Ganzkörperanzug eintaucht. Erdacht wurde OASIS von den beiden Spieleentwicklern James Halliday und Ogden Morrow eigentlich als MMO, doch mittlerweile ist es viel mehr als das. Milliarden Menschen verbringen ihr ganzes Leben in der virtuellen Realität, gehen dort zur Schule, verdienen ihr Geld, surfen im Internet und daten.

Als Halliday, das menschenscheue Mastermind hinter OASIS, stirbt, scheint die Zukunft ungewiss. Die meisten Nutzer lieben die simulierte Welt, weil sie dort kostenlos ihrem Leben entfliehen können. Aktionen wie Reisen kosten zwar Geld in der riesigen, aus zahlreichen Planeten bestehenden Welt, die eigentliche Nutzung ist aber kostenfrei. Das will der Internetprovider Innovative Online Industries, kurz IOI, ändern. Bis jetzt verdient die Organisation an den Zugängen zur OASIS und dem Equipment, aber das reicht ihnen nicht. Der Tod Hallidays kommt ihnen gerade recht, insbesondere, da der exzentrische Gamedesigner sein gigantisches Vermögen inklusive der Kontrolle über die OASIS in seinem Testament an denjenigen vermacht hat, der eine Schnitzeljagd in der OASIS lösen kann – angelehnt an Ataris Swordquest.

In den ersten Wochen und Monaten versuchen Millionen Menschen, das Rätsel um die drei Schlüssel zu lösen, die den Weg zum Egg, dem versteckten Easter Egg Hallidays, weisen. Nach Monaten erfolgloser Suche nach dem ersten Hinweis bleiben nur noch wenige Spieler hartnäckig und machen weiter. Da wären die Egg Hunters, oder kurz Gunters genannt, und auf der anderen Seite die Sixers, Mitarbeiter des IOI-Konzerns. Da Halliday von den 80er Jahren besessen war und auch das von ihm hinterlassene Buch, Anorak’s Almanac, viele Hinweise auf die 80er gibt, saugen beide Gruppen alles auf, was es aus dieser Zeit gibt.

Sie lernen Filme auswendig, hören die Musik, lesen die Comics und spielen nicht zuletzt sämtliche Games, die in den 80er Jahren entstanden sind, vermuten sie dort doch den Schlüssel zu der virtuellen Schnitzeljagd.

Und tatsächlich entdeckt der junge Wade mit seinem Avatar Parzival nach Jahren erfolgloser Suche den ersten Schlüssel – und das Wettrennen um das Geld und die Kontrolle über die OASIS wird erneut entfacht. Schnell kombinieren auch andere Gunters und Sixers die Punkte und holen auf. Ein Wettlauf beginnt, bei dem das Geld längst nicht mehr der zentrale Punkt ist. Denn die Sixers wollen den Menschen ihre geliebte, kostenlose OASIS wegnehmen und spielen dabei noch mit dreckigen Mitteln, cheaten und töten, um ihr Ziel zu erreichen. Zu verhindern, dass die Sixers gewinnen, wird zum obersten Ziel aller Gunters.

Ready Player One ist eine Ode an die Popkultur der 80er, insbesondere an die Filme und Videospiele aus dieser Zeit. Die Rahmenhandlung spielt in einem dystopischen Amerika, der Hauptaugenmerk liegt aber auf der OASIS, in der sich der Protagonist die meiste Zeit befindet. Diese ist einerseits Fantasy-MMO mit Zauberern und Artefakten, gleichzeitig aber auch eine Science-Fiction-Welt, in der man mit Raumschiffen und Stargates die vielen Planeten besucht, die alle jeweils ein festes Thema haben oder einem bekannten Film-Planeten nachgebildet sind.

Ready Player One ist eine Geschichte über Freundschaft, über Realitätsflucht, und über die Herausforderung, herauszufinden, was einem im Leben wirklich wichtig ist.

Aber Ready Player One ist vor allem auch ein nostalgischer Rückblick auf die 80er und an vielen Stellen eine bloße Aneinanderreihung von Fakten und Zitaten, die direkt aus der Wikipedia zu kommen scheinen und keinem wirklichen Zweck dienen. Der Leser, der die Filme oder Games nicht kennt, hat es nicht immer leicht, den Anspielungen zu folgen. Manchmal sind sie sehr ausführlich erklärt, an anderen Stellen benutzen die Charaktere Redewendungen und Zitate, bei denen dem Leser für ein besseres Verständnis die Herkunft bekannt sein muss. Überhaupt scheint der Autor sich nicht ganz im Klaren zu sein, für welches Publikum er schreibt. Mal setzt er immenses Videospielwissen voraus, dann wiederum glaubt er, die Bedeutung des Wortes NPC oder die Aussprache des Namens Art3mis erklären zu müssen.

Über solch kleinere Mängel, Logiklücken und eher zweidimensionale Charaktere sieht man aber bei Ready Player One gerne hinweg, unterhält das Buch doch schließlich erstklassig, wird gegen Ende nochmal richtig spannend und regt dazu an, sich Filme wie Ferris Bueller’s Day Off (dt. Ferris macht blau) oder WarGames erneut anzuschauen, dabei Joust, Adenture oder Dungeons of Daggorath zu zocken und auf einem Ohr dem Soundtrack von Ladyhawke zu lauschen.

Der Lobgesang an die 80er Jahre macht auch Lesern Spaß, die wie ich ein bisschen zu spät geboren wurden, um das alles so richtig wahrgenommen zu haben.

Filme wie WarGames, Tron oder Back to the Future habe ich zwar später im Fernsehen immer wieder geschaut, bei den ganzen Komödien und Fantasy-Streifen klafft bei mir aber eine riesige Lücke. Bei den im Buch genannten Videospielen sieht es noch schlimmer aus: ich kannte so gut wie gar nichts, denn das war alles vor meiner Zeit. Die Lektüre unterhält mit Vorwissen sicher noch mehr, trotzdem hat das Buch alles, was das Nerd-Herz begehrt. Im besten Fall regt es euch dazu an, alle genannten Filme und Games im Anschluss nachzuholen.

Für Ready Player One gibt es also eine ganz klare Empfehlung von mir! Wer keine Bücher mag, kann auch auf den Film warten, der mit Sicherheit kommt, da sich Warner schon die Rechte gesichert hat.

8 Kommentare

    Das klingt auf dem ersten Blick schon wie ein Parasit der 80er-Nostalgie-Welle, wie Exploitation. Aber irgendwann wird die Welt genug davon haben:)

    Wie schlimm wird das erst, wenn irgendwann die 90er oder noch schlimmer, die 00er-Nostalgie-Welle kommt?

    Ich hab das zum Glück nicht so mitbekommen und behaupte mal, das Buch war das erste 80er-Nostalgie-Werk, das mir untergekommen ist. Vielleicht verdränge ich irgendwas, aber mir fällt gerade sonst nichts ein.

    Gibt’s das schon auf deutsch? Ich lese nicht so gern auf englisch.

    Musste tatsächlich ein bisschen suchen, hat ja nicht mal nen wikipedia-Eintrag der Herr. Hier ists auf deutsch, allerdings nur die gebundene Ausgabe, bzw. die Kindle-Ausgabe, aber beide noch recht teuer im Vergleich zur Englischen.

    @madnckk: es gibt bei audible auch eine deutsche Hörbuchversion. Kommt nach dem Anhören des Samples aber wohl nicht an die englische Version heran, welche ich gerade höre. Diese wird passenderweise und mit viel Einsatz von Whil Wheaton gelesen.

    [...] ist dieses Mal auch verboten. Ich erwarte eine spaßige Aktion, vor allem, da ich gerade “Ready Player One” gelesen habe, bin ich echt schon gespannt und hab noch viel mehr Bock auf so eine Jagd als [...]

    [...] 26GB kostenlosen Speicherplatz. Not bad! Wie schon erwähnt hat mich das alles stark an das Buch Ready Player One erinnert, wenn ihr Dropquest mochtet, werdet ihr vielleicht auch das Buch mögen, schauts euch mal [...]

    [...] Player One (Review) – Ready Player One ist eine Ode an die 80er und speziell an alles, was mit Videogames zu tun [...]

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