Assassine, ick hör dir trapsen: Hitman – Absolution 1

Assassine, ick hör dir trapsen: Hitman – Absolution 1

Ich erinnere mich noch sehr gut an die Kontroverse, die damals im Jahre 2000 um Hitman entstanden ist. Hätte meine Mutter gewusst, dass ich als Auftragskiller Menschen auf diverse Arten und Weisen um die Ecke bringen muss und Prostituierte dank Ragdoll-Engine in obszönen Posen liegen lasse, so hätte sie mir meinen PC wahrscheinlich schneller weggenommen, als ich in 9 von 10 Fällen bei meinen Missionen gescheitert bin. Hitman stand aber hinter der Brutalität und der kontroversen moralischen Komponente immer für intelligentes Gamedesign, welches gefordert und selten frustriert hat. Nachdem die Serie nun 6 Jahre auf Eis lag, kam nun am 20. November der fünfte Teil in den Handel: »Hitman: Absolution«.

Mit Absolution soll ein neuer Abschnitt beginnen, sowohl story- als auch spieltechnisch. Was mir im Vorfeld Angst machte – erste Trailer ließen einen 08/15-Third-Person-Shooter vermuten – konnte mich auf der diesjährigen gamescom aber überzeugen: Gespannt war ich auf den Reboot des modernen Klassikers.

Hauptsache: Story

Wieder einmal steuert man den altbekannten Agenten 47, welcher zu Beginn des Spieles beauftragt wird, Diana, seine Mittelsfrau zur Agentur, umzubringen, nachdem diese verschwunden ist und ein Kind namens Victoria entführt hat. Kurz vor Abschluss des Auftrags entschließt sich der Hitman allerdings anders und erfährt, warum Diana so gehandelt hat und nimmt daraufhin Victoria unter seine Fittiche. Daraufhin entwickelt sich eine Geschichte um Verrat, Entführungen und allerlei Morden. Im Westen nichts Neues. Zumindest fast: Die Hintergrundgeschichte war bis dato nur ein loses Verbindungsstück zwischen den umfangreichen Missionen und damit stark vernachlässigbar. Hitman hat, bei aller Liebe zur Serie, nie eine gute Geschichte erzählt. Das tut sie auch jetzt noch nicht, nur dass die Geschichte nicht außer Acht gelassen werden kann, sondern stetig im Mittelpunkt des Geschehens steht.

Sam Fisher lässt grüßen

Vorsicht… Vorsicht… bloß nicht auffallen!

Aber zum wichtigen Teil der Sache: das Gameplay. Hier gab es im Verlauf der letzten Jahren einiges an hin und her, denn zwischenzeitlich sah Hitman aus wie ein Standardshooter, dann sah man Passagen die Hardcore-Fans beruhigen sollten und dann war da noch eine Prise Schleichshooter. Am Ende hat sich Eidos Interactive aber für alles entschieden. Aber der Reihe nach. Der Hauptteil von Hitman: Absolution besteht aus Schleichkomponenten à la Splinter Cell. Der Protagonist huscht von Ecke zu Ecke, lenkt Wachen ab und hofft, dabei nicht entdeckt zu werden. Erstaunlicherweise funktioniert das ziemlich gut und Sam Fisher hat einen recht fähigen Konkurrenten bekommen, welcher ohne die Technikspielereien des amerikanischen Nachrichtendienstes auskommt.

Als Sam Fisher macht sich Agent 47 wirklich gut, auch wenn er etwas unbeholfen wirkt, nur ist das eigentlich nicht sein Job.

So erfreulich es ist, dass diese Komponente so gut funktioniert, leider ersetzt sie aber das ehemalige Kerngeschäft des Assassinen: Die Auftragsmorde machen, wenn es hochkommt, nur noch ein Viertel des Spieles aus und sind dabei auch viel zu schnell vorbei. Die entsprechenden Missionen sind wirklich nicht schlecht, aber vor allem wenn man die umfangreichen Missionen des direkten Vorgängers Bloodmoney gewöhnt ist, so sind ca. 10-15 Minuten pro Auftrag eindeutig zu gering. Die Karten sind klein und die Möglichkeiten zur Lösung des Auftrages wirken auch sehr begrenzt. Nichtsdestotrotz macht es wieder Spaß, Wege herauszufinden, wie man das Opfer möglichst stilvoll um die Ecke bringen kann ohne dabei die Aufmerksamkeit aller Personen auf sich zu ziehen. Erschieße ich das Opfer mit einem Scharfschützengewehr aus einer Wohnung, welche die Straße überblickt, und ziehe damit die Aufmerksamkeit der patrouillierenden Polizisten auf mich? Oder drehe ich den Gasherd auf und lasse einen Sprengsatz aus sicherer Distanz detonieren? Die Essenz der Reihe ist definitiv noch vorhanden, wenn auch in einem sehr begrenzten Rahmen.

Passiert sehr schnell und bringt leider viel zu viel: Schießereien.

Schade ist hingegen, dass die Schwierigkeit häufig sehr niedrig ist. Viele Missionen lassen sich lösen, indem man die Pistole zückt und irgendwie alles über den Haufen ballert. Natürlich ist dies schwieriger als in einem Gears of War, aber der Protagonist hält sehr viel aus, bevor er über den Jordan geht. Dass dies nicht die vom Entwickler intendierte Spielweise ist, wird schnell klar, aber zu häufig habe ich überlebt, wenn ich frustriert um mich geballert habe, wenn ein Gegner mich dann doch mal entdeckt hat. Ein bisschen weniger Blei-Antidot wäre hier schön gewesen.

Hör auf deinen Instinkt

In den Aufträgen kriegt Agent 47 nun keine Unterstützung mehr von außerhalb, sondern muss sich auf seine innere Stimme verlassen. Mit dem Instinktsystem lassen sich Gegner auch durch Wände hindurch entdecken, deren Wege analysieren und sogar Hinweise auf interessante Sachen in der Umgebung werden angezeigt. Des Weiteren ist das Instinktsystem wichtig um sich vor den Gegnern zu verstecken, welche in der Lage sind Verkleidung zu durchschauen, wenn sie vom gleichen Gegnertyp ist. Wer sich nun als Polizist verkleidet, der kann nicht mehr unbehelligt durch eine Polizeiwache stolzieren, sondern muss auf eine andere Verkleidung setzen, die aber vielleicht bedeutet, dass man in bestimmten Bereichen sofort auffällt. Das ist wirklich cool und macht Sinn! Damit man nun also unter den Polizisten nicht mehr auffällt, setzt der Spieler Instinkt ein um das Gesicht abzuschirmen und somit nicht erkannt zu werden. Dass dieser Trick aber nicht unendlich funktioniert, dürfte nicht überraschen, aber mit bestimmten Aktionen oder dem Erfüllen eines Missionsziels lässt sich die Leiste wieder schnell auffüllen.

He’s the hero Chicago deserves, but not the one it needs right now.

»Hitman: Absolution« bringt zwei gute Spiele mit sich: einen guten Splinter Cell-Klon und einen recht akzeptablen Ableger der Hitman-Reihe. Das ist aber auch das Hauptproblem des Spiels: Wer einen Nachfolger zum fantastischen »Hitman: Bloodmoney« erwartet, der wird zuerst mächtig enttäuscht sein. Zu kurz und simpel sind die Parts, in denen man in gewohnter Manier vorgehen kann. Vor allem das erste Drittel ist fast vollständig dem Verstecken und Schleichen gewidmet, was fast dafür gesorgt hätte, dass ich den Controller frühzeitig beiseit gelegt habe. Ab dann entwickelt sich Hitman: Absolution, auch wenn es dabei nie die gewohnte Klasse erreicht hat. Schön wäre es nur, wenn Eidos für den nächsten Teil einen guten Storyschreiber engagiert, wenn die Story schon so dermaßen im Mittelpunkt steht. Unterm Strich bleibt ein wirklich gutes, wenn auch kein überragendes Spiel, das Neulingen der Serie durchaus zu empfehlen ist. Wer aber schon Erfahrungen mit Hitman gemacht hat, der sollte sich darauf einstellen können, dass Hitman kein Hitman mehr ist, ansonsten würde ich eher dazu raten die Finger davon zu lassen.

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Frederik Wagner (Redaktion) Job: Student im Master of Education für Geschichte und Englisch Auf ZwO Experte für: PC-Spiele aller Art, hauptsächlich aber Sachen aus den Bereichen RPG und Strategie, bevorzugt rundenstrategisch. Die herumstehende Xbox erweitert das Spektrum um reine Konsolentitel. Hier holt sich Freddi Gaming-News: PCGamer.com Mail: fw [at] zockworkorange [dot] com Twitter: Fredelsloh XBLA: - PSN: - Steam: Fredelsloh Erstes Game: Prince of Persia Liebste Games: Baldur’s Gate II, Planescape Torment, Arcanum, Civilization II, Europa Universalis 3 Liebste Persönlichkeit der Branche: Warren Spector Liebste Game-Figur: Minsk und Boo

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