02 Kälte: Fahrenheit 3

02 Kälte: Fahrenheit 3

It’s gonna be cold. It’s gonna be grey. And it’s gonna last you for the rest of your life.

– Phil Connors, Groundhog Day

Kälte war schon immer so eine Naturgewalt für mich, der man hilflos gegenüber steht. Auch wenn man selbst als Kind das Konzept von Jahreszeiten relativ schnell kapiert hatte, war es damals wie heute immer so ein kleiner Nervenkitzel für mich, angesichts von Minusgraden und Schneefall zu überlegen: Was, wenn es jetzt einfach immer so bleibt? Kälte, die Zombieapokalypse des kleinen Mannes, der Permafrost als postapokalyptisches Spielfeld. Es heißt ja auch nicht umsonst nuklearer Winter.

Es war im Winter 2010/11, als ich meine lieben ZwO-Kollegen (damals noch in Düsseldorf) besuchte, meine Xbox 360 noch ziemlich neu war und recht wenig Futter hatte. Kristin lieh mir daraufhin Fahrenheit für die Xbox (also die alte, das Spiel läuft aber auch auf der 360). Heavy Rain kannte ich bereits von dem gleichen Entwickler und fand ich geil. Die Story hat dort zwar hinten und vorne nicht gepasst, aber die Atmosphäre hat es für mich rausgehauen. Dementsprechend waren mir auch bei Fahrenheit eventuelle abstruse Plot Devices egal, ich wollte einfach darin versinken – passend zu der winterlichen Stimmung draußen. Am beklemmendsten fand ich dabei ein winziges Detail: Am Anfang jedes Kapitels wurde die aktuelle Außentemperatur eingeblendet. Und es wurde immer kälter, keine Besserung in Sicht. Die eingangs erwähnte Urangst wurde durch wehende weiße Pixel und eine abstrakte, immer kleiner werdende Zahl geweckt. Was, wenn es hier einfach immer so bleibt – egal, wie sich die Story entwickelt? Egal, ob ich gewinne oder verliere? Die dynamisch verlaufende, paranormale Handlung fand ich allerdings bei allen niedrigen Erwartungen trotzdem super und so bleiben jetzt, ein Jahr später, noch die Erinnerungen an ein großartiges Spiel. Warme Erinnerungen.

„And I’m left still, still longing
Still cold
So cold.“

– Neurosis – To Crawl Under One’s Skin

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Fabian Hartmann (Redaktion) Job: Doktorand ...for science (Future Internet/Social Networks. Nebenher Vorlesungen betreuen und Studis pampern.) Auf ZwO Experte für: das Zerreißen von Kritikerlieblingen. Ansonsten bin ich kürzlich vom PC-Saulus zum Konsolen-Paulus geworden und muss neben aktuellen Releases auch noch die besten Sachen aus der Zeit davor nachholen (für Xbox 360, PS3, Wii, (3)DS und Dreamcast - ächz!). Aufgrund meiner PC-Sozialisation lasse ich Shooter da aber meist links liegen, auch Sportspiele interessieren mich nicht. Mich springen eher stimmungsvolle, bunte Action-Adventures oder Puzzlespiele wie Professor Layton oder Portal an. Hier holt sich Fabian Gaming-News: Ich bin erschreckend schlecht aus erster Hand informiert, über die wirklich wichtigen Dinge wird sich meine Twitter-Timeline dann schon das Maul zerreißen. Filterbubble olé. Mail: fh [at] zockworkorange [dot] com Twitter: yesnocancel XBLA: yesnocancel PSN: yesnocancel Steam: yesnocancelzwo Erstes Game: Super Games Liebste Games: Uncharted 2, die God of War-Teile, King's Quest VI, Blade Runner, Bubble Bobble Liebste Persönlichkeit der Branche: Traditionell der Angry Video Game Nerd, auch wenn er stark nachgelassen hat. Jingleball für die Leidenschaft und Intensität, mit der sie sich in ein einzelnes Spiel reinkniet. Balkantoni für die stetige Verbesserung meines Wortschatzes. Liebste Game-Figur: Jade und Pey'j aus Beyond Good and Evil

3 Comments

  1. Ich musste bei Kaelte auch als erstes an Fahrenheit denken. Besonders diesen Windter, weil es ja von gestern auf heute einfach 132° kaelter wurde.
    Im Gegensatz zu dir hatte ich (weil ich Heavy Rain nicht kannte?) recht hohe Erwartungen und die wurden ale erfuellt, ich fand das Spiel grossartig :)

  2. Fahrenheit ist wohl mit eines der perfektesten Beispiele für „kalte“ Spiele. Und egal was über das Spiel schon alles gemeckert und geschimpft wurde, ich mags auch. Den Plottwist fand ich zwar auch ganz furchtbar, aber egal, hat dennoch funktioniert. Ich habe es sogar mehrmals durchgespielt, mit unterschiedlichen Reihenfolgen etc., einfach nur für das Erlebnis. Ja und das eine bestimmte Ende fand ich auch gut, scheiß auf den missratenen Plott! Und ich mochte Tylers Jacke total gern! ;)

  3. Fahrenheit :) Mein Lieblingsspiel auf der Xbox schlechthin. Auch das Spielkonzept empfang ich als erfrischend anders und richtig gut. Heavy Rain (der geistiliche „Nachfolger“) hab ich noch nicht komplett durchgespielt, aber auch das verspricht ein wahres Meisterwerk zu sein. Ums in der „Kiddie Sprache“ noch konkreter auszudrücken Quantic Dream <3

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